Ruhr-Uni-Bochum
HGI

Copyright: HGI, stock.adobe.com: chinnarach

"Mit dem richtigen Team ist es ein fantastisches Abenteuer"

Alumni Story Nils Albartus

Junger Mann sitzt auf einem Bürostuhl, hält ein Mikrofon und spricht, Text '2024 Alumnus' sichtbar

Von Bochum über Norwegen und die USA ins Gründungsteam eines erfolgreichen Cybersecurity Startups: Der Weg unseres Alumnus Nils Albartus zeigt, welche Türen ein IT-Sicherheitsstudium an der RUB öffnen kann. In seiner Alumni Story erzählt er von seiner Faszination für das Hardware Reverse Engineering, von seinem wichtigsten Learning aus dem Studium und warum ihn die Arbeitsweise in einem Startup mehr begeistert als in einem Großkonzern. Gleichzeitig macht seine Geschichte Mut, Neues auszuprobieren, Chancen zu ergreifen und sich ins Abenteuer zu stürzen, sei es bei einem Auslandssemester, in der Forschung oder bei der Gründung eines eigenen Unternehmens.

Wie bist du zum ITS-Studium an der RUB gekommen?

Mir ging es wohl wie vielen anderen nach der Schule – ich wusste zunächst gar nicht, was ich studieren sollte. Also habe ich mir vieles angeschaut, von International Management bis hin zu Lehramt. Am Ende hat mich das ITS-Studium überzeugt – gerade wegen seiner Alleinstellung in Deutschland, Europa und letztlich auch weltweit. Rückblickend bin ich unfassbar froh, dass ich mich so entschieden habe.

Wie hast du deine Studienzeit erlebt?

Meine Studienzeit war fantastisch – wir hatten eine großartige Lerngruppe, in der ich einige meiner heute engsten Freunde kennengelernt habe. In der Schule war ich nie der Überflieger; das änderte sich im Studium, als ich für mich herausgefunden hatte, wie ich richtig lerne. Trotzdem hatte das Studium seine Höhen und Tiefen – von stressigen Klausurphasen bis hin zu schlaflosen Nächten vor Abgaben. Seit dem dritten Semester hatte ich außerdem eine Stelle als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Paar und bekam so früh Einblicke in die Forschung – etwas, das ich jedem  forschungsinteressierten Studierenden empfehlen kann. Durch diese Einblicke in den Lehrstuhlalltag wusste ich schon früh, dass ich eine Promotion anstreben möchte.

Du warst während deines Studiums mehrfach im Ausland. An welche Erfahrungen erinnerst du dich gerne zurück?

Ich hatte das Glück, gleich zwei Auslandsaufenthalte absolvieren zu können. Im fünften Bachelorsemester war ich an der Høgskolen i Gjøvik in Norwegen (heute Teil der NTNU). Dort fand ich besonders spannend, dass alles etwas praxisnäher war – kleine Kurse und ein enger Kontakt zu den Professoren. Für meine Masterarbeit war ich dann an der University of Massachusetts Amherst. Auch dort war die Zusammenarbeit mit den Professoren fantastisch, und ich bekam noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Forschung. Während meines Aufenthalts in Amherst habe ich viele Kontakte zu den dortigen Forschungsgruppen geknüpft, mit denen ich über die Jahre während der Promotion eng zusammengearbeitet habe. Alle, die im Ausland waren, sagen, dass es eine großartige Erfahrung ist und für die persönliche Entwicklung enorm viel bringt. Ich selbst konnte lange nicht nachvollziehen, was genau dahintersteckt – bis ich es am eigenen Leib erfahren habe. Ich kann es wirklich jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat!

Wieso hast du dich für eine Promotion entschieden und was hast du im Rahmen deiner Promotion erforscht?

Durch meine Stelle als studentische Hilfskraft hatte ich schon früh Einblicke in ein sehr spezialisiertes, aber unglaublich faszinierendes Thema bekommen: Hardware Reverse Engineering – genauer gesagt FPGA- und Netlist-Reverse-Engineering. Das Thema hat mich von der ersten Minute an gepackt, weil vieles davon hinter verschlossenen Türen stattfindet – bei Regierungen und regierungsnahen Organisationen, deren tatsächliche Fähigkeiten, Methoden und Technologien immer etwas im Verborgenen lagen und bis heute liegen. Mit unserer Forschung haben wir versucht, Licht in diesen obskuren Prozess zu bringen und die Risiken dieses Felds aufzuzeigen.

Was machst du heute?

Aktuell bin ich Chief Product Officer bei emproof – einem inzwischen etablierten Start-up aus Bochum. Begonnen habe ich dort 2022 zunächst parallel zur Promotion, bevor ich voll eingestiegen bin. Später wurde ich zusätzlich ins Founder-Team aufgenommen – damit bin ich gewissermaßen ein Late-Co-Founder.

Aus welchem Grund hast du dich entschieden, bei einem Start-up zu arbeiten, und was würdest du Studierenden und Absolvent*innen raten, die selbst mit dem Gedanken spielen zu gründen?

Ich wollte etwas machen, bei dem man wichtige, neuartige Technologien voranbringen kann – und das in einem Umfeld, in dem besondere Talente wachsen und gedeihen können. In Großunternehmen ist das meiner Erfahrung nach nicht immer möglich. Das Start-up-Umfeld ist großartig, und die Möglichkeiten an der RUB – etwa durch unseren Start-up-Inkubator Cube5 und die Förderung StartUpSecure – schaffen eine ganz besondere Gründungslandschaft. Natürlich haben wir über die Jahre auch Fehler gemacht – aber genau daraus lernt man. Wenn ich heute sehe, wo wir mit emproof stehen, kann ich nur staunen – von den ersten Ideen bis zum heutigen Produkt ist viel passiert, und es geht gerade erst richtig los. Jedem, der mit dem Gedanken spielt zu gründen, kann ich nur raten: Wagt es und traut Euch! Es macht unglaublich viel Spaß, fordert aber auch enorm viel. Mit dem richtigen Team ist es ein fantastisches Abenteuer. 

Was hast du im Studium gelernt, das dir bei deinem jetzigen Job hilft?

Als Student habe ich mir oft die Frage gestellt: Wofür brauche ich das eigentlich? Wie soll mir das später im Job helfen? Und klar – man braucht nicht alles, was man im Studium gelernt hat. Aber meiner Meinung nach geht es im Studium auch gar nicht darum. Was das ITS-Studium an der RUB so besonders macht, ist das Security-Grundgefühl, das einem vermittelt wird. Man entwickelt wirklich eine Intuition dafür, wie man Systeme, Protokolle oder Programme baut – immer mit dem Hintergedanken, dass sich gute Security von Anfang an mitdenken lässt. Dass man diese Fähigkeit vermittelt bekommt merkt man während des Studiums nicht unbedingt, es passiert ganz nebenbei. Außerdem lernt man, sich komplexe Sachverhalte selbstständig zu erarbeiten – eine Fähigkeit, die im Berufsalltag enorm wichtig ist.

 

Allgemeiner Hinweis: Mit einer möglichen Nennung von geschlechtszuweisenden Attributen implizieren wir alle, die sich diesem Geschlecht zugehörig fühlen, unabhängig vom biologischen Geschlecht.