Bei der elften Vergabe des Deutschen IT-Sicherheitspreises sicherte sich das Bochumer Startup Edgeless Systems mit seinem Projekt „Privatemode AI: Cloud-basierte KI mit nachweisbarer Vertraulichkeit“ den ersten Platz und das damit verbundene Preisgeld in Höhe von 100.000 EUR. Auf Platz 2 wählte die Jury das Projekt „zkBridge: Anonymous Credentials on Legacy Devices“, das mit 20.000 EUR ausgezeichnet wurde. Der dritte Preis, dotiert mit 10.000 EUR, ging an „Project Foxhound“. Insgesamt waren 48 Beiträge eingereicht worden.
Die Preisträger 2026
1. Platz – 100.000 EUR
Privatemode AI: Cloud-basierte KI mit nachweisbarer Vertraulichkeit
Dr. Felix Schuster, Thomas Tendyck, Dr. Marko Rosenmüller, Moritz Eckert (Edgeless Systems GmbH)
Privatemode AI ermöglicht den sicheren Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz auch mit vertraulichen Daten. Dank einer speziellen, hardwarebasierten Sicherheitstechnologie namens Confidential Computing (Geschützte Datenverarbeitung) bleiben Eingaben und Antworten sowohl bei der Übertragung als auch während der Verarbeitung verschlüsselt. Dadurch können weder der Cloud-Betreiber noch der Anbieter des KI-Dienstes auf die Daten zugreifen. Nutzer können zudem vorab kryptografisch überprüfen, welche Software auf den Servern eingesetzt wird.
2. Platz – 20.000 EUR
zkBridge: Anonymous Credentials on Legacy Devices
Anja Lehmann, Andrea Flamini, Christian Mouchet, Andrey Sidorenko, Alexandros Zacharakis (Hasso-Plattner-Institut, Universität Potsdam), Patrick Amrein, Alexey Lebedenko (Ubique)
Die europäische digitale Brieftasche EUDI-Wallet, die in Deutschland 2027 unter dem Namen „d-you“ starten soll, ermöglicht künftig digitale Identitätsnachweise, beispielsweise zur Altersbestätigung. zkBridge stellt dabei sicher, dass nur die jeweils notwendigen Informationen offengelegt werden und einzelne Nachweise selbst von der ausstellenden Stelle nicht miteinander verknüpft werden können. Gleichzeitig sind die Nachweise fest an das Smartphone gebunden und lassen sich weder kopieren noch weitergeben. Die Lösung funktioniert mit den Sicherheitschips handelsüblicher Smartphones.
3. Platz – 10.000 EUR
Project Foxhound
David Klein (Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre), Thomas Barber (SAP SE), Martin Johns (Technische Universität Braunschweig)
Project Foxhound deckt Sicherheitslücken in Webseiten auf, die herkömmliche Scanner häufig nicht erkennen. Dazu zählt etwa Cross-Site-Scripting, bei dem Angreifer schädlichen Programmcode einschleusen können. Mithilfe einer speziell angepassten Version des Firefox-Browsers verfolgt die Software, wie potenziell gefährliche Eingaben innerhalb einer Webseite verarbeitet werden. Die frei verfügbare Open-Source-Lösung kam bereits in 15 wissenschaftlichen Studien zum Einsatz. Dabei wurden über 500.000 Webseiten untersucht und zahlreiche Sicherheitslücken in Anwendungen führender Technologieunternehmen aufgedeckt, gemeldet und behoben. Seit 2022 kam Foxhound zudem bei mehr als 85.000 Sicherheitsüberprüfungen von Unternehmensanwendungen zum Einsatz.
Auszeichnung für Innovation und praktische Anwendbarkeit
Für die elfte Ausgabe wurden insgesamt 48 Konzepte aus Wissenschaft und Wirtschaft eingereicht. In einem zweistufigen Auswahlverfahren bewertete eine unabhängige Jury die Beiträge nach ihrem Innovationsgrad, ihrer Praxisrelevanz und ihrem Marktpotenzial sowie ihrem Beitrag zur Stärkung der IT-Sicherheit in Deutschland. Nach einer Vorauswahl wurden die nominierten Projekte in einer zweiten Wettbewerbsrunde vertieft begutachtet.
Den Vorsitz der Jury übernahm Prof. Dr. Michael Waidner, Gründungsdirektor des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit ATHENE und Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT. Der Jury gehörten außerdem Susanne Dehmel (Bitkom), Julia Hermann (Giesecke+Devrient), Prof. Dr. Gregor Leander (Ruhr-Universität Bochum), Claudia Plattner (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), Malte Pollmann, Prof. Dr. Konrad Rieck (Technische Universität Berlin) und Christian Stüble (GovTech Deutschland) an.
Innovationskonferenz Cybersicherheit: Forschung, Transfer und digitale Souveränität
Die Preisverleihung bildete den Höhepunkt der 4. Innovationskonferenz Cybersicherheit des Digitalverbands Bitkom im Zentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service-Systeme (ZESS) in Bochum. Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen, um über aktuelle Herausforderungen der Cybersicherheit, technologische Innovationen und die digitale Souveränität Deutschlands zu diskutieren.
Die Preisverleihung stand unter der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Mit einer Keynote von Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie zwei Paneldiskussionen widmete sich das Programm insbesondere der Rolle von Forschung und Innovation für eine sichere und souveräne digitale Zukunft.
Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung der nominierten Konzepte. Dabei erhielten die Teams die Gelegenheit, ihre Entwicklungen und deren Potenzial für die IT-Sicherheit in kurzen Videos zu präsentieren.
Über den Deutschen IT-Sicherheitspreis
Der Deutsche IT-Sicherheitspreis wird seit 2006 im zweijährigen Rhythmus von der Horst Görtz Stiftung vergeben. Er würdigt innovative Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die zur Verbesserung der IT-Sicherheit beitragen und das Potenzial besitzen, in der Praxis eingesetzt zu werden. Mit einem Gesamtpreisgeld von 130.000 EUR zählt er zu den höchstdotierten Auszeichnungen für IT-Sicherheit in Deutschland.
Die Horst Görtz Stiftung wurde 1996 von Dr.-Ing. E. h. Horst Görtz gegründet. Sie fördert gemeinnützig Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre, hauptsächlich auf dem Gebiet der Informationssicherheit. Zu ihren Aktivitäten zählen unter anderem die Förderung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte, Stiftungsprofessuren und Fachveranstaltungen.
Die Preisverleihung 2026 wurde vom Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Horst Görtz Stiftung organisiert, in Kooperation mit dem Digitalverband Bitkom e. V. und dem Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE in Darmstadt.
Pressekontakt
Thomas Würstlein
Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit
Universitätsstraße 150, 44780 Bochum
+49 234 32-29822 thomas.wuerstlein(at)rub.de
Allgemeiner Hinweis: Mit einer möglichen Nennung von geschlechtszuweisenden Attributen implizieren wir alle, die sich diesem Geschlecht zugehörig fühlen, unabhängig vom biologischen Geschlecht.